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Warum immer mehr Häuser ohne Schornstein gebaut werden – und was dagegen spricht

„Unabhängigkeit durch Schornstein gewährleisten“
 

  • Bei Neubauten wird der Schornstein oft weggelassen
  • Den Verbrauchern entstehen Nachteile in Bezug auf Versorgungssicherheit und verantwortungsvollen Konsum

Kostendruck und neue Abgassysteme verändern das Bild unserer Wohnsiedlungen. Wo auch immer ein privater Neubau in Deutschland entsteht – die Chance, dass er ohne Schornstein gebaut wird, ist groß. Die Erklärung dafür ist einfach: Laut aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes haben Wärmepumpen bei allen Neubauten in Deutschland einen Anteil von 37,4 Prozent, Erdgas kommt sogar auf 47 Prozent. Beide Technologien benötigen entweder überhaupt keinen Schornstein oder nur ein sehr einfaches Abgassystem. Ein gemauerter Schornstein oder ein Edelstahlschornstein ist für die primäre Wärmeversorgung gar nicht nötig, und wird oft auf den Bauplänen nicht mehr vorgesehen. Eine fatale Entwicklung, wie der Zentralverband Deutscher Schornsteinfeger (ZDS) und die Europäische Feuerstätten Arbeitsgemeinschaft (EFA) warnen.

„Auf einen Schornstein sollte nicht verzichtet werden,“ sagt Dr.-Ing. Julian Schwark, Bundesvorstand Technik und Bildung im ZDS. Nicht ganz unvoreingenommen – verdient der Schornsteinfeger ja nur sein Geld, wenn auch ein Schornstein vorhanden ist – aber mit starken Argumenten im Rücken. Er sieht besonders die Versorgungssicherheit und die Selbstbestimmung der Brennstoffwahl in Gefahr: „Moderne Anlagensysteme benötigen keinen Schornstein mehr, beziehungsweise kann die Abgasführung über andere technische Lösungen erfolgen. Doch sollte man bereits heute an morgen denken. Wer heute den Schornstein bei der Planung berücksichtigt, ist in Zukunft bei der Auswahl der Anlagentechnik unabhängig, flexibel und kostengünstiger aufgestellt“.

Schwark empfiehlt klar die Ergänzung der primären Wärmeversorgung durch eine Wärmepumpe oder die Ergänzung einer Brennwertheizung durch eine „dezentrale Feuerstätte“, wie etwa einen Kachelofen, Kamin oder Kaminofen. Das ist natürlich nur möglich, wenn auch ein Schornstein vorhanden ist. Es lohnt sich, hier bereits bei der Planung eines Neubaus aktiv zu werden. „Nachrüsten ist teuer und nicht immer die ästhetisch befriedigendste Lösung,“ rät Julian Schwark.

Energetisch ist die Ergänzung der Hauptheizung durch eine Einzelfeuerstätte, selbst in einem sogenannten Niedrigenergiehaus, ebenfalls sinnvoll. Schwark: „Das verlängert die Standzeit der primären Wärmequelle und ist besonders in Übergangszeiten mit warmen Tagen und kühlen Nächten optimal.“

Ein weiterer Punkt spricht für die Einzelfeuerstätte mit Schornstein: Regionalität. Ursula Gröbner, Vorstandsmitglied in der Branchenvereinigung der europäischen Kamin- und Kachelofenhersteller, EFA, weist auf die Besonderheit der Ofenheizung im Allgemeinen hin: „Der hauptsächlich verwendete Rohstoff Holz ist nachwachsend und kommt zumeist aus der Region.“ Die kurzen Transportwege und die Herkunft aus der lokalen Holzwirtschaft sind Pluspunkte, die eine Wärmegewinnung aus fossilen Brennstoffen keinesfalls aufweisen kann.

Ursula Gröbner nennt noch einen weiteren Aspekt der Holzbefeuerung, der oft vergessen wird: „Nur beim Holz kann ich in diesem Umfang Einfluss auf den Verarbeitungsgrad und somit auf den Preis nehmen.“ Ob man nun fertiges Kaminholz ordert oder die Zerteilung selbst übernimmt: Der Verbraucher entscheidet selbst über seine Eigenleistung und letztlich die Kosten.

All diese Vorteile kann der Verbraucher jedoch nur in Anspruch nehmen, da sind sich ZDS und EFA einig, wenn ein Schornstein vorhanden ist. Der Schornstein, darauf weist Ursula Gröbner noch einmal ausdrücklich hin, „ist der Schlüssel zur Unabhängigkeit und verantwortungsbewussten Selbstbestimmung bei der Wärmegewinnung im Privathaushalt.“

Der ZDS ist der einzige gewerkschaftliche Fachverband im Schornsteinfegerhandwerk. Er vertritt seine Mitglieder gegenüber Behörden und Arbeitgeber in arbeitsrechtlichen und sozialrechtlichen Belangen. Ebenso vertritt er das Schornsteinfegerhandwerk in zahlreichen Fachgremien und Normenausschüssen auf nationaler und internationaler Ebene. Mehr Informationen finden Sie im Internet unter www.zds-schornsteinfeger.de.

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