Europäische Feuerstätten Arbeitsgemeinschaft e.V.
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Gesellschaftliche Herausforderungen

Interview mit EFA-Geschäftsführer Dr. Heinrich Göddeke

Dr. Heinrich Göddeke, Geschäftsführer der EFA, stand der Fachzeitschrift Kachelofen & Kamin Rede und Antwort über die Themen Europa, Normen und Brennholz in Mietwohnungen.
Ein Weckruf, wie er sagt.

K&K (Kachelofen & Kamin): Sie standen der EFA über 15 Jahre als Geschäftsführer zur Seite, haben die Branche durch gute wie durch schlechte Zeiten begleitet.
Wenn Sie den Blick in die Glaskugel werfen, welche Punkte werden für die Verbandsarbeit in den kommenden Jahren wichtig?

Göddeke: Die EFA ist ein Verband, der 1996 vor allem mit einem Ziel gegründet wurde: mit einem europäischen Anspruch die Branche in ihrer Breite zu repräsentieren. Bis zu diesem Zeitpunkt haben sich viele Hersteller, Zulieferer und Importeure in keiner Vereinigung heimisch gefühlt. Geschweige denn, dass jemand bereits damals die europäische Idee in diesem Umfang vertreten hat. Daran hat sich bislang wenig geändert. Wir sind nach wie vor der einzige aktive europäische Verband, der ausschließlich die Belange von Ofenherstellern und -zulieferern vertritt. Die Schornsteinindustrie nicht zu vergessen!
Wir werden diesen Gedanken auch in Zukunft leben müssen, um der Branche die notwendige Unterstützung an die Seite zu stellen, die sie in einem harmonisierten europäischen Markt benötigt.

K&K: Warum ist dieser europäische Gedanke gerade so wichtig?

Göddeke: Schauen Sie, die für einige unserer Mitglieder wirtschaftlich herausfordernden vergangenen Jahre haben vor allem eines gezeigt:
Wer sich auf seinem müden Pferd ausruht, der hat verloren. Sprich: Wer nicht noch stärker in den europäischen Markt geht, Kooperationen ausbaut und Absatzmöglichkeiten erschließt, der wird die kommenden zehn Jahre nur mit Mühe überleben. Dazu braucht er einen Partner an der Seite, der sich in Europa auskennt, die Normen kennt, weil er sie mitgestaltet und Kontakte zu Importeuren und Handelsgesellschaften vermitteln kann. Nicht zuletzt ist es genau so wichtig, sich mit gesetzlichen Regelungen auszukennen und im Zweifel auch Fragen zu Baurecht und Zulassung kompetent zu beantworten.
Hier braucht die Branche einen Verband, der europäisch agiert.

K&K: Was sollte in der EFA passieren, damit dieser europäische Gedanke gelebt wird?

Göddeke: Wir machen bereits viel und haben uns sehr verändert. Der Verband ist über die Jahre erwachsen geworden, viele nachhaltige Projekte wie ein verlässlicher Branchenindex und Meetings zu Themen wie Technik und Vertrieb fruchten. Wir haben es uns zum Ziel gesetzt, wenigstens die Hälfte unserer wichtigen Tagungen nicht in Deutschland, sondern im europäischen Ausland abzuhalten. Diese Tagungen werden in der nächsten Zukunft neben Deutsch als Tagungssprache auch Englisch haben. Und wir werden zusätzlich zu unseren Messebesuchen in Deutschland und Italien die Präsenz weiter auf Spanien ausdehnen, wo es aktuell mit der Expo Biomasa eine sehr interessante, an Bedeutung gewinnende Messe gibt. Zu guter Letzt vernetzen wir uns gerade mit weiteren europäischen Verbänden.

K&K: Welche technischen und vor allem gesetzlichen Veränderungen werden die Branche in den kommenden zehn Jahren beschäftigen?

Göddeke: Eine ganze Reihe von Entwicklungen ist bereits absehbar.
Unmittelbar bevor steht uns zunächst die Änderung der Bundesimmissionsschutzverordnung, der BImSchV. Es gibt neue Grenzwerte für Stickoxide (NOx) und gasförmige organische Verbindungen (OGC). Diese sind noch nicht in der Verordnung vorgesehen, müssen aber in nächster Zeit berücksichtigt werden. Mit allen Folgen für Hersteller wie Kunden. Im wichtigen Bereich der Normung können wir demnächst mit einer überarbeiteten Normenreihe für Festbrennstoff-Einzelraumgeräte rechnen. Allerdings: Die Arbeit stockt momentan etwas, da es Einsprüche aus einigen europäischen Ländern gibt und die Europäische Kommission noch immer Probleme mit der Umsetzung der Bauproduktenverordnung hat.

K&K: Also Unsicherheit?

Göddeke: Wir als Verband sind hier in der Pflicht, für unsere Mitglieder und die gesamte Branche zu agieren. Besonders in den Normenausschüssen.
Hier haben wir Erfahrung, und unsere Stimme wird gehört. Bei all dieser technischen und juristischen Arbeit dürfen wir jedoch eines nicht vergessen: den Verbraucher. Momentan werden immer mehr neue Feuerstätten, insbesondere vom Typ „raumluftunabhängig“, eingeführt. Da blickt am Ende kein Mensch mehr durch, was er noch kaufen soll oder überhaupt aufstellen darf. Dabei begehen die Hersteller und Normer zum Teil kardinale Fehler.

K&K: Welche Fehler sind das?

Göddeke: Die Hersteller denken, dass in moderne und hoch wärmegedämmte Häuser moderne Geräte verkauft werden können, deren spezielle Einsatzbereiche kaum noch einer versteht. Stichworte: Festbrennstofffeuerstätten im Überdruckbetrieb, App-gesteuerte Festbrennstofffeuerstätten.
Das ist für mich Kundenverwirrung. Wichtiger ist es, Öfen und Kamine anzubieten, die einfach aufzustellen und zu betreiben sind und die das Ofenstudio, der Schornsteinfeger und natürlich auch der Kunde verstehen. Zudem muss der Endverbraucher die Feuerstätten schadstoffarm beheizen können. Eine Bedienungsanleitung, in der beschrieben wird, wie die Feuerstätte hinsichtlich Primärluft, Sekundärluft und Tertiärluft einzustellen ist, fördert nicht die einfache Bedienung und damit auch nicht den schadstoffarmen Betrieb.


K&K: Wie kann man aus diesen Fehlern lernen?

Göddeke: Die Branche muss lernen, mit gesellschaftlichen Veränderungen umzugehen. Immer mehr Menschen leben in Städten, oft in gemieteten Wohnungen. Wer mietet, investiert bisher selten in eine Feuerstätte. Auch der Transport von Brennholz in obere Etagen und Probleme bei der Lagerung von Brennholz sowie ein fehlender Schornstein führen bisher dazu, dass Feuerstätten in diesem Bereich selten eingesetzt werden. Die Branche muss umdenken und Produkte anbieten, die zu diesem städtischen, mobilen Lebensstil passen

K&K: Und der Umweltschutz?

Göddeke: Ein wesentlicher Punkt. Eine Einzelfeuerstätte produziert Abgase. Oder um es noch deutlicher zu sagen: Verschmutzungen. Dass es sich hier um keine besonders  gesundheitsfördernde Ausgangslage handelt, dürfte jedem klar sein. Was ist nun die Konsequenz? Auf den Kamin- oder Kachelofen komplett verzichten?
Jährlich sterben in Deutschland 36 600 Menschen an den Folgen von Übergewicht, also grundsätzlich durch zu wenig Bewegung und ungesundes Essen. Wollen wir deshalb als Gesellschaft grundsätzlich auf Schokolade und Rotwein verzichten?
Der Verband, und damit schlussendlich die Industrie, ist in der Pflicht, alles Mögliche zu tun, um moderne und möglichst schadstoffarme Einzelfeuerstätten zum Normalfall werden zu lassen. Wir dürfen nicht nur über Feinstaub diskutieren, sondern müssen mit geeigneten Feuerstätten und einfachen und verständlichen Bedienungsanleitungen einschließlich der Information über die geeigneten Brennmaterialien schadstoffarmes Heizen möglich machen.

K&K: Wo liegt der Nutzen für den Kunden?

Göddeke: Niemand plant heutzutage eine Immobilie und setzt auf die Einzelfeuerstätte als primäre Wärmequelle. Im Gegenteil. Eine Einzelfeuerstätte ist in den allermeisten Fällen die sinnvolle Ergänzung einer umweltfreundlichen Heiztechnik wie der Brennwertheizung oder der Wärmepumpe.
Eine zusätzliche Festbrennstofffeuerstätte ist perfekt, um die Schwächen dieser  Wärmesysteme vor allem in der Übergangszeit – z.B. bei Fußbodenheizungen, die nur träge regelbar sind – auszugleichen.
Und noch etwas: Die Einzelfeuerstätte ist auch ein Ausdruck an Lebensart; der Luxus, den sich viele an kalten Abenden erfüllen möchten.

K&K: Sie sehen trotzdem positiv in die Zukunft?

Göddeke: Auf jeden Fall! Der Kamin oder Kachelofen ist ein Bestandteil unserer Kultur, der bereits zu lange existiert, um einfach zu verschwinden.
Aber es ist schon an uns als Branche, diese Tradition einerseits zu bewahren, andererseits unsere Endkunden in eine neue, der Zeit gerechte umweltfreundliche Nutzung zu begleiten.

Dr. Heinrich Göddeke (68 Jahre) wurde in Olsberg/Sauerland geboren. Im Anschluss an eine Berufsausbildung als Dreher hat er seine Hochschulreife am Westfalen-Kolleg in Paderborn erlangt und an der RWTH Aachen ein Studium zum Diplom-Physiker abgeschlossen.
Nach einer Promotion am CERN im schweizerischen Genf war er einige Jahre in der Industrie tätig und ist nun schon seit 20 Jahren öffentlich bestellter Sachverständiger für Schornstein- und Feuerungstechnik. Er war acht Jahre Präsident der European Chimneys Association (ECA) und ist unter anderem Mitglied im SVA Hausschornstein des DIBt. Seit 2002 ist Dr. Heinrich Göddeke Geschäftsführer der Europäischen Feuerstätten Arbeitsgemeinschaft (EFA).

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